Der Aufschwung des App Stores dank KI
Viele hatten vorausgesagt, dass KI Apps verdrängen würde. In Wirklichkeit steigt die Zahl der neuen App-Veröffentlichungen jedoch rasant an.
Laut einer neuen Analyse des Marktforschungsunternehmens Appfigures stiegen die weltweiten App-Veröffentlichungen im ersten Quartal 2026 sowohl im Apple App Store als auch bei Google Play im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 60 %. Allein im iOS App Store lag dieser Wert mit 80 % sogar noch höher. Bislang sind im April 2026 die App-Veröffentlichungen in beiden Stores im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 104 % gestiegen, auf iOS um 89 %.
Wie Greg „Joz“ Joswiak, Senior Vice President of Worldwide Marketing bei Apple, kürzlich in einem Interview scherzhaft anmerkte: „Gerüchte über den Tod des App Stores im Zeitalter der KI waren möglicherweise stark übertrieben.“

Bildnachweis: Appfigures
Diese Erkenntnisse kommen inmitten von Bedenken, dass der Aufstieg von KI-Chatbots und -Agenten die Nutzer letztendlich von Apps abbringen könnte – eine Theorie, die bereits von Branchenvertretern wie Carl Pei, dem CEO von Nothing, vertreten wird, der sich auf die Entwicklung eines Smartphones für das KI-Zeitalter konzentriert. Auch die „New York Times“ berichtete im vergangenen Jahr über das Potenzial neuer Computerplattformen – wie Smart-Brillen, Ambient-Computing-Geräte oder neu konzipierte Smartwatches mit KI-Funktionen –, das Smartphone in den Schatten zu stellen.
OpenAI arbeitet sogar gemeinsam mit dem berühmten Apple-Designer Jony Ive an einem KI-Hardwaregerät.
Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit: KI wird es jedem erleichtern, Apps zu entwickeln, was zu einer Wiederbelebung des App Stores führen könnte. Der neue App-Goldrausch könnte von Entwicklern angeführt werden, die zwar Ideen haben, denen aber die technischen Fähigkeiten zur Entwicklung mobiler Software fehlen.
Die Daten von Appfigures zeigen, dass in einigen App-Kategorien mehr Neuerscheinungen zu verzeichnen sind als in anderen.

Bildnachweis: Appfigures
Die Arbeitshypothese lautet, dass KI-gestützte Tools wie Claude Code oder Replit hinter dem Anstieg neuer Veröffentlichungen stehen könnten. Es scheint auch möglich, dass wir einen Wendepunkt in der Benutzerfreundlichkeit von KI erreichen, an dem es für Menschen einfach genug ist, diese Tools zu nutzen, um ihre eigenen gewünschten mobilen Apps schneller zu entwickeln – oder sogar ihre allerersten Apps überhaupt zu erstellen.
Die Flut neuer Apps, die Apple prüfen muss, könnte auch zu einigen der jüngsten Fehltritte des Technologieriesen beitragen. Diese Woche entfernte Apple die Prämien-App „Freecash“ wegen Regelverstößen aus dem App Store, nachdem die App zuvor die Top-Charts des Stores erklommen hatte und monatelang unter den Top 5 geblieben war. Apple wurde zudem von einer bösartigen Kryptowährungs-App überrascht, einem Klon von „Ledger Live“, der Kryptowährungen im Wert von 9,5 Millionen Dollar von den Konten der Opfer abziehen konnte.
Auch wenn solche öffentlichkeitswirksamen Probleme dem App Store einen schlechten Ruf einbringen können, leistet das Unternehmen nach wie vor umfangreiche Arbeit bei der Sperrung und Ablehnung gefährlicher oder spammiger Apps. Apples jüngste Analyse aus dem Jahr 2024 ergab, dass das Unternehmen in jenem Jahr mehr als 17.000 Apps wegen Verstößen gegen das „Bait-and-Switch“-Prinzip entfernt oder abgelehnt hatte; mehr als 320.000 eingereichte Apps abgelehnt, bei denen festgestellt wurde, dass sie Spam waren, andere Apps kopierten oder irreführend waren; und Maßnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass mehr als 37.000 potenziell betrügerische Apps die Nutzer im App Store erreichten.
Dennoch argumentieren Apple-Experten wie John Gruber schon seit Langem, dass der App Store eine Art „Betrugsbekämpfungsteam“ benötigt, das nach betrügerischen oder irreführenden Apps Ausschau hält, die an Beliebtheit gewinnen oder hohe Umsätze erzielen.
Sollte sich herausstellen, dass KI-gestütztes „Vibe-Coding“ hinter dem jüngsten Anstieg der App-Veröffentlichungen steckt, wird dieser Bedarf nur noch zunehmen, da immer mehr neue Apps den Markt überschwemmen – von denen nicht alle harmlos sein werden.
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